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Ⅲ.
Charles Koechlin
(1867-1950)

Scherzo «Tanz des Faunes» aus der Sonate für Klavier und Oboe op. 58

Weit in sehnendem Verlangen
Breitet ihr die Arme aus,
Und umschlinget wahnbefangen
Öder Leere nicht’gen Graus.

Wie für viele Komponisten aus der Zeit von Charles Koechlin war Tristan und Isolde auch für ihn ein wichtiges Werk, und zeigte den Weg zur atonalen Musik. Der französische Komponist Charles Koechlin fand seine Bestimmung in den polytonalen Harmonien.
Für viele seiner Kompositionen liess er sich von der Natur inspirieren, wie auch Wagner seinen kompositorischen Reichtum aus der Natur schöpfte.
Die Oboensonate entstand zwischen 1911 und 1916. Die Uraufführung spielte Louis Bleuzet, Koechlins ehemaliger Oboenlehrer, 1922 in Paris mit seiner Frau als Begleiterin.
Wie es die Untertitel der Sätze andeuten, hat die Sonate eine pastoral- und naturinspirierte Atmosphäre.
Es kann angenommen werden, das sich Koechlin von der bewaldeten Küstenlandschaft in der Nähe von St. Tropez inspirieren liess. Dort, wo er während der Komposition der Oboensonate nach eigenen Entwürfen ein Landhaus baute.
Das Scherzo zeigt den tanzenden Faun im Wald. Durch den bitonalen Kompositionsstil wirkt der Tanz sehr fantasievoll,  teilweise wahnbefangen. Dank den wiederkehrenden Motiven bekommt der Tanz seine notwendige Struktur und Einheit. Zwischendurch gibt es kurze Momente von sehnendem Verlangen.
Der Faun gilt als Gott der Natur. Er bildet das Gegenstück zur Fauna. Dieser Halbgott, als Wesen der Vergangenheit, der durchs Treibhaus tanzt, soll das Fremde symbolisieren. Wie im Text das Fremde be­schrieben wird, soll dieser flinke Tanz den Zuhörer befremden.

Die Skizze zeigt eine alte Buche, die wahrscheinlich schon zu Wagners Zeit im Rieterpark seine Arme ausbreitete. Der Baum scheint so alt zu sein, dass er mit vielen seiner Arme so wahnbefangen die öde Leere umschlang, dass die Äste gebrochen sind.